Dernier Cri & Chi Chi  
 
„Dernier Cri”, wie er sich selber nannte, lebte im Paris der 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts – in bewegten Zeiten also. Über ihn ist bekannt, daß er ein gerne gesehener Gast der seinerzeitigen haute volée gewesen war – jedoch bezog er sein hohes gesellschaftliches Ansehen nicht alleine durch geschicktes Anhäufen von Reichtümern wie so viele derer, die durch Fabriken, Börsenspekulation oder Pferderennen zu Vermögen gekommen waren, sondern bezauberte ausnahmslos alle durch seinen Charme, Esprit und Witz. Dernier Cri ist schlicht zu bezeichnen als Lebemann, der den schönen Künsten, der Musik, dem Absinth und den Frauen nicht abgeneigt war.



Zwar kennen wir das Leben Dernier Cri´s nicht bis ins letzte Detail, jedoch ist bekannt, daß er während der Sommerfrische im August 1937 in Oostende in einem Tunnel verschwunden sein soll. Mehreren Berichten von Augenzeugen zufolge mehrten sich in dieser Zeit unerklärliche Lichterscheinungen am Nachthimmel Belgiens, welche man mit militärischen Experimenten des Nachbarlandes zu erklären versuchte. Jedoch konnte man diese an Runen oder Hieroglyphen erinnernde Zeichen an diesem erwähnten Tunnel auch nicht mit wissenschaftlichen Versuchen in Verbindung setzen – zu außergewöhnich waren diese rätselhaften, in Stein gemeißelten Botschaften. Soweit sich die Fakten über solch einen langen Zeitraum noch rekonstruieren lassen, entdeckte Dernier Cri an jenem Tag im August am Meer spazierend jenen Tunnel in den Dünen – versteckt hinter dichten Gräsern, um seinen treuen Begleiter zu suchen – denn „Chi Chi”, wie er seine Hündin nannte, war in dem Tunnel verschwunden, neugierig wie sie war. Es läßt sich nicht ausschließen,daß Dernier Cri dem Tier folgte – ihm folgend auf eine Reise ins Ungewisse. Unbestritten ist jedoch die Tatsache, daß die beiden bis heute nie wieder zurückkehrten – und, da der Tunnel verschlossen und durch die Wirrnisse jener Zeiten in Vergessenheit geraten ist, konnten auch deren sterblichen Überreste nie ausfindig gemacht werden.

Um das Jahr 2000 herum hörte ich nun davon, daß der legendäre Nachlass Dernier Cri´s bei Sotheby´s zu ersteigern war. Bis heute ist noch ungeklärt, auf welch verschlungenen Pfaden die Habseligkeiten Dernier Cri´s an das Licht der Öffentlichkeit erneut geraten sind – Tagebuchaufzeichnungen voll ergreifender Poesie, Schellackplatten mit Musik von elegischer Schönheit, Stahlbandaufnahmen (einem frühen Vorläufer des uns bekannten Magnettonbands), gefüllt mit bis Dato ungehörten musikalischen Kleinodien und Noten als Blaupausen ungeahnter Preziosen.

Ich zögerte also nicht lange, packte meine Koffer, reiste unverrichteter Dinge nach London, wo mir das Schicksal gewogen war und ich glücklicherweise den Nachlass Dernier Cri´s in Bausch und Bogen für einen nicht geringen, aber durchaus angemessenen Obulus ersteigern durfte. Nun war es denn also meine jahrelange, vornehme Aufgabe, diesen Fundus von Ideen der Welt zugänglich zu machen – in oft mühseliger Kleinstarbeit vorsichtig restauriert, hier und da leicht überarbeitet und manchmal die Geduld meiner lieben Frau strapazierend. Voilà, es ist endlich vollbracht: Überzeugen Sie sich selbst von der Einzigartigkeit Dernier Cri´s – seien Sie Teilnehmer eines akustischen Spektakels sondergleichen, freuen Sie sich auf ein Potpourri der guten Unterhaltung – und empfehlen Sie dieses Stück Musik ihren Freunden weiter!


Joachim Ludwig.
 
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